Go to content Go to navigation Go to search

meine neue fareundin · 2010-01-27 10:32 von gaiger

“Hallo mein neuer Freund. Ich heisse Christina. Ich bin aus Russland.
Ich wurde eninen guten Mann
kennenlernen. Mir wird es sehr angenehm sein, wenn ich deine
Aufmerksamkeit heranziehen werde. Und du sollst meinen
Brief ohne Antwort nicht lassen. Ich bin 24 Jahre alt. Aber auf dem
Leben, ich habe den
Lebenspartner bis jetzt nicht gefunden.
Du wei?t, in meinem Alter mir fehlt es so…

Fur uns werden die Probleme im Verkehr nicht. Ich wei? die
Englische Sprache und die Deutsche gut.
Ich bin das interessantes Girl gern,
sich mit den Menschen, zu verschiedenen Themen
sprechen. Ich begeistere mich fur die
Kunst, es ist die Musik, die Literatur und die Malerei. Au?erdem ich
betriebe mich fur einige Sportarten noch.
Fur mich der Mann interessant ist, der die
ernsten Verhaltnis sucht. Mir ist der die
Pesron notig, mit dem ich mich von der glucklichsten Frau auf dem
Welt fuhlen wurde. Fur mich ist es actuel, das
gegenseitige Einverstandnis , das Zutrauen
und die Verantwortung zu haben! Ich
weiss, dass das Internet die sehr gute Weise fur die Bekanntschaft ist. Ich glaube, dass es
angenehm sein soll, den Freund, auf anderer
Seite der Erde haben.
Ich hoffe, dass in dieser Welt den
Mann, der sich fur mich und schatzen nicht nur meine Schonheit interessieren kann, sondern auch meine innere Welt
gibt.
Ich interessiere mich sehr, damit wir einander erkennen
konnten es ist besser. Ich glaube, wir konnten die
Freunde werden! Wir konnten uns zu den allgemeinen Gegenstand
umgehen und, von den Fotografien wechseln.
Ich werde auf deine Erwiderung mit der riesigen Ungeduld warten! Bis denn
Kristina”

am 13.01.2010 gemailt bekommen

Kommentare [2]

Schrumpfschlauchkauf · 2009-09-09 13:26 von ich

Der Umgang mit der Zeit, in ständiger Veränderung. Der Blick gleitet auf die Uhr. Ein Mann an der Alster fragt mich, wie spät es ist. “Wie genau? Reichen plus minus 5 Minuten?” “Hast du keine Atomuhr im Courierbag?” Nein, die habe ich nicht, denn ich hab’ es im Urin, brauche keine Genauigkeit, bin Maschine genug, um ein Leben zu führen. Menschen sind wie Datenbanken: _INPUT > _COMPUTE >_OUTPUT manchmal zurück zum _INPUT usw. Dazwischen einer dieser kurzen erhellenden Augenblicke, es voll geblickt zu haben, eine Stimmung, die eine schwer erträgliche analytische Kälte mit sich bringt. Aber was solls? Die Ultimative Erkenntnis, gespeist aus dem Bedürfnis neuer Kicks, ausgelöst durch das Bedürfnis, nicht auf der Stelle treten zu wollen. Hochsommer, noch ein letzter Tag, bevor der lange Winter kommt und die Mädchen mit den kurzen Röcken aus dem Stadtbild verschwinden. Wohin eigentlich? Jedenfalls stehen sie dann auch nicht mehr im Weg, bei dem Ritt durch die Stadt der verschlungenen Pfade, in der ich zeitliche Verankerung suche, tatsächlich schon längst gefunden habe, nein, garnicht suchen brauche, denn die Zeit verläuft nicht linear, sondern verschlungener als die Wege und Strassen. Kein Wunder, dass es so einfach ist, die Raumzeit zu verdrehen und zu verbiegen, die innere Atomuhr an die äußere nicht anzupassen. Ich stehe in der Schlange im Fachmarkt für Elektronikzubehör, vor mir die Tüftler und Löter, diejenigen, die mit jeder Lötstelle der Erleuchtung näher kommen und der Verdammung ferner werden – ein Resultat der inhalierten Flussmittel, weil sie die 19.95€ für die Absauganlage aus dem Sonderangebot nicht zahlen wollen. Geizkragen, sie sehen aus als würden sie kein direktes Sonnenlicht vertragen und für einen Moment kann ich ihre Wohnung sehen, die dicken Gardinen, durch die nur ein wohldosierter Anteil tageslichtähnlicher Helligkeit kommt, gerade soviel die Entspiegelung des Monitors verträgt, auf dem ein Platinenlayout dargestellt ist. Sie haben spezielle Fragen, die meine Geduld auf die Probe stellen, endlich bin ich an der Reihe, darf meinen Wunsch äussern: “4m Schrumpfschlauch, schwarz, elastisch, 5mm nach Schrumpfung, wenn möglich kein Polyolefin”. Haben sie nicht, auch gut, dann nehm ich doch Polyolefin, sonst war der weite Weg durch dichte Abgaswolken, Lärm und Gestank umsonst. Und wie tief habe ich inhaliert! Kann mir garnicht vorstellen, wie es wohl vor 100 Jahren war, als noch Pferdemist auf Kopfsteinpflaster vor sich hin weste. Sicher hätte ich die Pferde und Menschen damals genauso verdammt wie heute die Maschinen und ihre maschinengleichen Bediener. Die Frau zum Beispiel, die mir am Tresen des Elektrofachmarktes den Schlauch verkaufte – war sie noch Mensch, oder einer der ersten Prototypen hauseigener Verkaufsroboter? Sie sagte etwas beim abschneiden des Schlauches, was ich nicht verstand, als ob die case relativity ihrer database noch nicht auf dem letzten Stand ist. Ich stutzte, sie hatte tatsächlich keine Ahnung von Schrumpfschläuchen, ich bemerkte es schnell und war ein wenig enttäuscht, denn ich war angetörnt von der Atmo des Marktes und in der Stimmung mich über die jeweiligen Vor- und Nachteile der Produkte zu unterhalten. Schliesslich wollte ich die die Schläuche ihres eigentlichen Zweckes entfremden, da ist es wichtig über die Produkte mehr zu wissen, als ich von den Etiketten ablesen kann. Doch dann realisierte ich die komische Stimmung, beim durchlesen und auswählen, zwischen den Gesprächsfetzen, in der hintersten und finstersten Ecke der ansonsten hellen und über-übersichtlichen Verkaufshalle. Unwohlsein erpackte mich und ich erschrak. Wie kam ich hier her? Was mache ich hier? Ich dachte an die vielen, buchstäblich unzähigen, Möglichkeiten, in denen die einzelnen mich umgebenden Kondensatoren, Widerstände, Dioden und Kabel zusammengesetzt werden konnten und dass es einzig die menschliche Ratio von Sinn und Unsinn trennt. Überhaupt sehe ich in solchen Läden den Schrott der Zukunft. Eine Platine mit hochgiftigen Flammschutzmitteln, die neben einem Steinpilz in den weichen Waldboden versinkt, die der Pilzfreund nicht sieht, was vielleicht auch besser ist, weil es ihm gründlich den Appetit* verhageln könnte, der dann in Ekel umschlüge. Ich muss in solchen Momenten noch tiefer durchatmen, in der Hoffnung, die Filter der Klimaanlagen wurden gereinigt, erinnere ich an Bilder aus der sogenannten Dritten Welt, unbeachtete Straßenszenen, Kinder, die einen kräftigen Schluck aus dem Rinnstein nehmen und dabei lächeln, als wäre es teuerster Champagner. Der Mensch ist ein zähes Wesen. Ein paar nanometer-feine Staubkörnchen, entstanden durch die Verbrennung in einem Hubkolbenmotor mit modernster Einspritztechnik**, sind harmlos wenn die Statistik nicht interessiert. Aber die Verkäuferin, die den ganzen Tag im fahlen Kunstlicht steht hat verdammte Ähnlichkeit mit dem ungeliebten Gummibaum in der Ecke einer Neubauwohnung. Ihr traue ich zu, dass sie irgendwann aus ihrem Traum erwacht und das Potential der Teile, die sie jahrzehntelang verkauft hat, erkennt: “Was machen die Kunden eigentlich damit?”, “Wozu braucht man QUARZ 2.4576 MHZ/HC 18 U/HC 49 U?” dürfte es in ihrem Kopf spuken, woraufhin sie sich in die Materie der Steuerungs- und Regelungs- oder Funktechnik einarbeitet. Dann gehört auch sie zu den Kabelfreaks und nur eine Nuance, ausgedrückt im Dopaminlevel, entscheidet ob sie weiterhin Verkäuferin im Elektronikmarkt bleibt, oder ob sie sich den im Untergrund agierenden anarchistischen Rotten anschliesst und eine entscheidene Figur in der Geschichte dieses Planeten wird, weil sie ihre neu erworbenen Er-kenntnisse dem “Transformativen Erwachen der Welt” – wie sie es dann nennen wird – widmet. Ihr vergangenes Leben wird ihr vorkommen, wie das eines Gummibaums in der Ecke eines Zimmers, dass durch Gardinen diffus beleuchtet wurde. Der Schleier ist dann zerrissen und nachts schleicht sie in den Stadtpark, um sich von Fallobst und Eicheln zu ernähren, ab und zu erlegt sie mit ihrem selbstentwickelten Fazer ein Eichhörnchen, dass sich auf Knopfdruck in eine Rehkeule mit Rotkohl und Kartoffeln mit Soße verwandelt. Ha. Bzzzt. Hmmm. Ich verlasse den Fachmarkt und kollidiere beinahe mit einem jungen Mädchen, die mich mit ihrem Damenrad auf dem Bürgersteig rechts überholt, während ich schwungvoll nach rechts abbiegen will. “Öy Mann”, grunze ich ich adrenalingeladen. Immer schön links bleiben. An einer Ampel zur Überquerung der großen innerstädtischen Bundesstraße wartet ein Junge mit ölverschmierten Händen auf seinem Rad, der gezielt einen neuen BMW anrotzt. Richtig so, scheiss bajuwarische Blechhaufen, mit Propeller auf der Motorhaube und doch nicht fliegen können. Er fährt bei Rot, während ich die Pause geniesse. Ohne Eile, ausserhalb des Taktes der Stadt, völlig unsynchronisiert, nicht ohne Bewunderung für dieses Konstrukt. Warum hat der Mensch die Maschinen erfunden? Ist ein ZUVIEL möglich? Zuviel Technik, die Mensch zwischen sich und die Natur klemmt, worauf sich der Mensch zu sehr von seiner eigenen Natur entfremdet? Nicht solange es 200’000 verschiedene Schrumpfschlauchvarianten in Fachmärkten gibt, in denen glückliche Roboter arbeiten. Warenfetisch durch Chromglanz. Transzendenz durch Politur.

mindmap

*Unter Appetit (lat. appetitus cibi – Verlangen nach Speise, v. appetere = haben wollen) versteht man einen psychischen Zustand, der sich durch das lustvoll geprägte Verlangen, etwas Bestimmtes zu essen, auszeichnet. Damit unterscheidet er sich als psychologisches Phänomen von dem in erster Linie physiologischen Gefühl des Hungers. Das Gegenteil von Appetit auf eine Speise ist Ekel. [Wikipedia]

**Ich verzichte nicht auf Technikfetischismus und Zahlenmagie an dieser Stelle: “PIEZO”, “2500 BAR”

Kommentare [2]

Vertrauen/Zufall · 2009-01-31 01:58 von ich

Die Unruhe ist das Syptom, an dem ihr SIE erkennen könnt
Doch der Schlamm an den Füßen bremst den Übergang in die Realität
Der Unterschied zwischen gestern und heute?
Analyse statt Therapie, die Bewertungen sind geblieben
Aufhebung der Grenzen, dem Gefühl ein Teil des Ganzen zu sein
Ist Mutter Erde depressiv? Verarbeitung statt Unterdrückung?
Totale Erinnerung an diesen Augenblick, den wir wie die Kinder leben
Totale Offenheit gegenüber der neuen Religion, dem neuen Ismus
buddhahaft verklärte Gesichtszüge – ohne Bewertung – ist die Belohnung
Verkopfung eine Garantie für das Versagen
Verfremdung nicht zu vergessen
Dichten aus Todesangst, sehnsucht, oder wegen dem Fieber der Gelbsucht?
Denn Innen
und Auswelt sind nicht getrennt
Also hat es keinen Wert, Schwarzer Zauber, die alleinige Gefahr
Die Zyklen der Reinheit
Diagnose:

Brutale Verwertungslogik durchdringt unser Leben
Die Sprache hat uns leider nicht geheilt, sagt er
Die Verbindung zwischen Geist und Materie scheinbar gestört
Obwohl er weiss, dass er nicht weiss wie breit das Spektrum wirklich ist
Da ihm die Antennen fehlen um die Wahrheit wahrzunehmen
Das Spiegelbild im Fenster, Helikopter am Himmel
In der Ferne, irgendwie vertraut
Mehr ist nicht besser, sagt er
Eine flüchtige Bewegung, eine Kontur schält sich heraus
lässt erkennen: Totale Indentifikation mit der Ziellosigkeit des Ganzem
In Thule
Und anderswo

Kommentare [4]

Wahn/Sinn · 2009-01-18 02:01 von ich

Vom Wahn, sinnvoll sein zu müssen

Eigentlich will ich nicht schreiben
aber ich muss etwas sinnvoll sein
eigentlich muss nichts mehr geschrieben werden
aber es kann ja was sinnvolles sein
eigentlich muss nichts mehr gemacht werden
doch: vielleicht ein Hustenmittel, das keinen Juckreiz verursacht
aber das gibt es schon
also ist dieser Text sinnlos
denn auch diese Worte wurden schon geschrieben
und möglicherweise in der gleichen Kombination
Im Radio läuft eine Wahlshow
und Hessen freut sich über Hessen
ich würde gerne etwas essen
aber ich bekomm die Brocken nicht runter
wegen der Trockenheit im Hals
wenn ich die Stimme TR Roland Kochs höre
und wegen der Schimmelpilze an der Wand
und dem THC im Blut
alles wird gut!
Alles wird besser, das sagt die Predigt
die ich nicht höre
jedenfalls nicht durch den Lautsprecher
eher durch den Äther, weshalb ich ein Täter…
aber darum geht es hier nicht.
Auch Roland ist so einer
Rassenkundlich echt locker,
schleicht er sich in mein Gehirn
und die Gehirne anderer Primaten
die so taten, als würden sie wählen
dabei wählt es aus ihnen
Und auch das wird einer gründlichen Analyse unterzogen
Er wird den Konsumgott gnädig stimmen
Osama eigenhändig töten
sich Skipisten hinunterstürzen um den Verkauf von Versicherungsaktien
in die Höhe schnellen zu lassen
dessen Anteilseigner er ist

Kommentare

AoA · 2008-12-06 18:03 von ich

Gegen den Alltag
Für die Emokratie
Gegen die Mitbestimmung
Für Scheinproduktivität
Hier stinkt die blanke Angst
Und Wolken kratzen auf den Straßen
Maschinengewehrsalven von den gegenüberliegenden Fassaden
vermischt sich mit Vanillinduft vom ausufernden Weihnachtsmarkt
Bunte Lichter
schleppende Richter
schleppen die Schminke ihrer Gattin
in Bigpacks
durch die Wolken
die den Blick verschleimen
vor der Klarheit, der Einfachheit der Ideologie
des, dessen, der uns
den Segen erteilt
die Welt zu besitzen
um in den Baum zu ritzen
was wir wollen! Versteht ihr!
ihr folgenden Generationen
was soll ich dazu sagen?
was werdet ihr uns vorwerfen?
ihr habt zuviele Steaks gegessen
die wir gerne essen würden.
und doch so einfach ist es nicht
der timeshift, vielleicht wird er es richten
die Spindoktoren jedenfalls, sie machen Überstunden
machen transparent, was uns verborgen bleibt
was uns erstrahlen lässt: !Wir wusstens nicht!
Hatten keinen Masterplan,
der uns immer vorgeworfen wurde
waren nur der Informationsflut unterlegen
aber dafür ist es schön warm
in Mecklenburg in 30 Jah’rn’ ‘’’
Kein Schneefegen im Winter
und auch keine Anzeigen wegen unterlassener Räumpflicht
Nur die Birkenstockpflicht, die gefällt mir nicht
Denn sie schneiden mir zu tief ins Fleisch
Es gongt: ich habe die Ironiemarkierungen vergessen.

Kommentare [1]

WOW · 2008-12-05 23:18 von ich

Tagesaktueller Eintrag in die Spamgalerie:

WOW! Santa Claus try our meds and fuck hoousewife and her daughter! Only today: CLICK HERE

Among thy sons, o king, upon beholding that terrible intrusion
of popish patronages, whether imposed days, he wrote to
his second in command, that any fear in this miserable fray?
o thou that art and neatly done yet the verse le deuxieme
plus.

HAWD!

Kommentare [2]

Zeitgeist 3 · 2008-09-12 18:10 von ich

Zeitgeist Faction18
© www.faction18.com

Eine Überdosis Rücksicht, gepaart mit dem Elend und der Unfähigkeit sich daraus zu befreien, hat meinen Körper geschwächt. Andererseits hat es meine Augen geöffnet, altbekannte Freunde aus einer unbekannten Perspektive zu sehen. Es ist nicht schlecht, es ist nicht gut, es ist einfach so gekommen und ich muss mir eingestehen, dass ich es geniesse. Nun habe ich eine Ausrede für mich gefunden, meine Höhle nicht zu verlassen; einen Weg entdeckt, den Alltag um mich herum zu vergessen, ihn an meinerm Fieber abperlen zu lassen und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Denn Gott sei dank funktioniert mein Hirn noch und das Tippen auf der Notebooktastatur überanstrengt mich nicht. Die Gedanken rollen dahin und das verdammte Spätsommer- bzw. Frühherbstlicht fällt durchs geöffnete Fenster. Unten auf der Straße fegt jemand und ich freue mich über seine Tüchtigkeit und Ausdauer ohne schlechtes Gewissen, denn ich habe den Dreck auf der Straße nicht verursacht, bin unschuldig wie eine verschleierte Jungfrau, habe eine strahlendweisse Weste an.

Das sirren der Kühlaggregate vom Nadi Markt reisst mich aus meinen Rechtfertigungsgedanken, es passt sehr gut zum GESAMTZUSTAND der Summe des Innen und Aussen. Eine unglaubliche Ruhe, ein wenig Musik aus dem Theater gegenüber, ein paar Gesprächsfetzen von unbekannten Passanten unbekannter Herkunft. Vielleicht sind es Inder oder Afghanen. Afghanische Sikhs? Mein indischer Freund erzählte mir von seinem Glauben, dass das Herz sauber bleiben müsse, um bei der nächsten Runde im Lebenskarusell nicht “in eine Scheisse Familie” geboren zu werden. Unweigerlich prüfte ich meine Bilanz und kam zu dem Ergebnis, dass es OK wäre. Ich bin ein Glückspilz, soviel steht fest, muss micht nicht besonders anstrengen, bin deswegen aber auch nicht generell unglücklich. Ab und zu sage ich die Unwahrheit, nicht dass ich Lüge, nur verbiege ich die langeweiligen Geschichten des Alltags zu etwas spannenderem, in der guten Absicht meinen Mitmenschen ein Lachen abzuringen. Keine Ahnung wie dieses närrische in der Bewertung meiner Lebensbilanz ausfällt, ob es genügt mich in der Hölle schmoren zu lassen und wie meine Hölle aussieht. Wahrscheinlich ist es eine Stadt wie Hamburg in einer kalt-regnerischen Novembernacht, in der ich nichts zu essen habe und völlig nackt auf dem Steindamm liege – angeknurrt von pissigen Polizisten und humorlosen Huren. Alles schon erlebt, in meinen Träumen. Alles schon überlebt, also kann es nicht so schlimm sein. Ich sage nein zum Fegefeuer und versuche einfach zu leben.

Das Problem am Wiedergeburtsgedanken: der Glückspilz – ich – könnte sagen, hätte es aufgrund guter Taten in vergangenen Leben verdient und das umgekehrt knapp eine Milliarde hungernder Menschen es wohl nicht anders verdient hätten. Was haben sie wohl getan? Und werden sie im nächsten Leben auf der Sonnenseite stehen, weil sie in diesem soviel Buße taten? Irgendetwas ist mir noch nicht klar, ich muss meinen indischen V-Mann nochmal konsultieren, mich würde auch interessieren, ob Wiedergeburt nur in eine Richtung funktioniert, denn da habe ich so meine Zweifel, glaube nicht, dass sich eine Seele an so menschliche Überlegungen wie ZEIT orientiert. Ein anderer Gedanke dagegen scheint mir logisch: wenn immer mehr menschliche Seelen auf dieser Erde sind, muss die Biodiversität abnehmen, wo sollen sie auch sonst herkommen? Es ist doch augenscheinlich, dass die Zunahme der Menschen mit einer Abnahme an Tier- und Pflanzensorten korreliert und sehr wahrscheinlich funktioniert es auch anders herum, nun aber zum wirklich spannenden Teil der Frage: wenn wir die Technik als Erweiterung der SCHÖPFUNG begreifen, wann wird es soweit sein, dass Tier-, Pflanzen- oder Menschenseelen die angeblich seelenlose Technik beseelen? Vielleicht ist es schon längst soweit, für mich war es eigentlich immer so, hatte als Kind schon meine Probleme technische Gegenstände zu “quälen” bzw. zu überanspruchen. Ob mein Inder mich verstehen wird, wenn ja: wird er mich für verrückt erklären? Sicher habe ich etwas falsch verstanden in seinen Augen. Das Gespräch war allerdings auch nicht einfach, ich hatte den Eindruck, seine Gedanken überschlugen sich in den paar deutschen Worten. Zum Beweis der REALITÄT der Wiedergeburt erzählte er mir eine Geschichte von Personen, die sich an bis zu “zehn Mütter” erinnerten. An dem Punkt konnte ich nicht mehr folgen, dachte nur an wissenschaflichen Kriterien der Intersubjektivität und Wiederholbarkeit, die aus dem was ich verstand mit Sicherheit nicht erfüllt wurden. Ich dachte auch daran, wieviel mir (und sicher nicht nur mir) von so lebendigen Geschichten verlorengeht, wenn ich nur an wissenschaftliche Kriterien denken konnte. Aber was solls, sie lauern ständig im Hintergrund, überprüfen alle auf mich einströmenden Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt und behaupten so ihre Vormachtstellung unter allen mir bekannten Glaubenssytemen. Ein reiner Überlebensinstinkt im Lande der Germanen an der Schwelle des dritten Jahrtausends…

Stimmen, Hypnotisch, aufgeschnappt aus Wortfetzen aus Ton und Text: sie drücken aus, was ich auch schon DACHTE, aber zu dessen Formulierung ich bisher nicht kam. Eine Folge der Selektion, nur zu lesen was gefällt, und mir gefällt der Eindruck nicht allein mit diesem Denkschema zu sein, woraus sich eine Normalität ableiten lässt. Auch eine Folge der Bequemlichkeit des Gedankenkonsums: andere den Schwierigkeit der Formulierung machen zu lassen, sich über sie stellen zu können und zu urteilen. Ich stelle mich über das Urteil, denn es gibt kein Copyright für Gedanken, nur für Ton, Bild und Text. Und ich behaupte felsenfest, dass man sich die Mühe machen könnte, die Urheberschaft jedes heutigen Gedanken anzuzweifeln. Es spielt einfach keine Rolle, was wann und wo gedacht wurde und wann ob und wieso es verbreitet wurde. Welten sind ein Produkt der Ausdauer und des Selbstbewusstseins, sowie der Bemühung sie nicht zu ernst zu nehmen, sie zu verlachen. Ich konnte am eigenen Leib erfahren, dass Wertsysteme flexibel sind, als ich mich vom absoluten Materialisten zum Gegenteil entwickelte. Im Moment pendele ich aus und entwickle etwas, dessen Basis mir bisher gefehlt hat. Stehe zu MEINEN orthographischen und philosophischen und sonstigen faktischen Fehlern. “Ach, dass ist nicht so wie ich bisher dachte?” – drauf gekackt – “Ach, dass hat schonmal jemand gesagt, geschrieben, gedacht?” – ebenso.

Es ist absurd. Geschwollene Tonsillen lassen mich Urlaub machen, geben mir eine Ausrede niemanden sehen zu müssen und mich aus dem Alltag herauszuhalten. Endlich tun was ICH will, jeder versteht das, ich leide doch und muss wieder zu Kräften kommen. Aber so ist das Leben: widersprüchlich und versöhnend. Auch wenn es nach Leichenfledderei klingt: bei einer Reise wurde mir durch die scheinbare Hoffnungslosigkeit meiner Mitreisenden klar, wie zufrieden ich eigentlich bin und Miller machte mir deutlich, dass es nicht unbedingt mit den materiellen Bedingungen meiner Abstammung zu tun haben muss, sondern vielmehr eine Frage der Grundeinstellung zum Leben ist, OB JA ODER NEIN. Man muss auch nicht hungern um zu leiden, man muss aber auch nicht leiden um zu hungern. Ob ich diesen Satz eines Tages mal verstehen werde? Ich übernahm die Rolle des stummen Beobachters, zeichnete auf, für die Zeit danach, denn es würde nicht so schnell vorbei sein, weil es an mir liegt, wenn ich nur WILL! Die gesamte zwischenmenschliche Stimmung passte sehr zu meiner Lektüre, der Diskussion zwischen Henry Miller und seinem “Gast” Moricand, der die Sterne für sein Leiden verantwortlich machte, obwohl unter dem gleichen Stern geboren wie Miller. Er erfand seine Ausreden, um nicht aktiv werden zu müssen, wie wir alles es von Zeit zu Zeit tun. Die Besonderheit: seine Ausdauer die Dinge schwarz zu sehen, ohne den interessanten Aspekt darin erkunden zu wollen, warum er von dem Negativen so angezogen wird. Denn das stand (für ihn) in den Sternen.

Der Muezzin ruft im Gebetsraum nebenan, Fliegen kopulieren auf dem Fußboden meiner Wohnung. Frieden, es ist 17:15 und das verfluchte Septemberlicht kündigt einen viel zu schönen Abend an. Mir ist wie in einem Opiumrausch, obwohl ich davon keine Ahnung habe. Ich bin völlig nüchtern, bis auf den Grünen Tee am Morgen und zwei Scheiben belegte Roggenbrote am Nachmittag. Gestern schrieb ich in meinen Notizblock: “Das Licht saugt mir die Kraft der Veränderung aus meinen Knochen”, aber was kümmert mich das Geschwätz von gestern. Ich bin schon wieder auf dem Weg zur Besserung.

NACHTRAG:

Aus Langeweile lese ich mir den angeblich offiziellen Bericht der Operation Northwoods durch und bin für einen Moment von der absoluten Unmenschlichkeit der Welt überzeugt. Schlimmer kann es nicht mehr kommen, aber wie geht’s weiter?

Kommentare [3]

Catched by the Zeitgeist · 2008-09-04 20:23 von ich

Mal ordentlich die Chakren durchblasen, sollte das Ziel im Leben sein, nicht mehr nicht weniger. Wäre da nicht das Zwischen- und Untermenschliche der Menschen. Und ihre verzweifelten Versuche miteinander in Kontakt zu treten, weil die menschliche Sprache mehr als die Summe einer zweiwertigen Logik zu sein scheint, nicht so einfach auf Richtig/Falsch reduziert werden kann. Egoismus in seiner Reinform, nur das kann uns retten, sonst entschuldigen wir uns alle zu Tode. Alle meinen es nur gut, woraus am Ende die große Unzufriedenheit wächst. Wenn man doch nur das Bild in seinem Kopf in all seinen Schattierungen verlustfrei reproduzieren und die BEWERTUNGEN den Wert verlieren. Die weite Landschaft der Gedanken, mit dem klaren Licht eines warmen Herbsttages im Hochgebirge. Keine Unsicherheiten, keine Unklarheiten, nur ein paar Bäume, die wie Schatten in der Landschaft stehen. Ähem.

Ringfinger

Was ich eigentlich beschreiben wollen würde ist nicht so einfach zu beschreiben wie eine Landschaft und ich befürchte, es würde Jahre dauern, diese Landkarte zu Papier zu bringen, woran hunderttausende Spezialisten gescheitert sind. Das Problem war und ist die Zirkularität: wo fängt Realität an? Wenn die vielen Augen über uns eine Echtzeitgedankenüberwachung ermöglichen? Über eine aktuellere Version als das heutige Google Earth würde ich mich freuen, vor einem direkten Anzapfen der Gedanken habe ich kein Angst, die Psycho Warz der Jetztzeit fräsen mir dagegen Furchen in die Stirn. Ausdauer ist gefragt, genauso wie das Gespür für den Zeitgeist und ein Gefühl für die “Whims” des großen Magneten Erde. Alles andere verschwindet irgendwann in dieser Weite meines Kopfes, implodiert in die absolute Bedeutungslosigkeit der unbeschreiblichen Gedanken eines Organismus dieses Universums. Plopp.

Warum kann ich diese albernen Worte nicht weglassen, warum kann ich die Welt nicht ERNST nehmen, warum wäre ich lieber ein Baum als Mensch bzw. Produzent als Konsument? Solange mich solcherlei dämliche Fragen nicht loslassen, weiss ich dass ich am Leben bin, weil es die Fragen sind, die nach Ansicht eines sachkundigen Freundes die Fragen meines Lebens sind. Es ist meine PASSION, nicht ernst sein zu wollen, weshalb ich auch manchmal Probleme bekomme. Ich denke, das wird nun persönlich: ich denke das dieses Denken eine persönliche Entscheidung, wenn nicht Veranlagung ist. Wie eine Art ästhetischer Fingerabdruck etwas sehr individuelles. Wie die Möglichkeit, besser gesagt das Gefühl, durch Wände sehen zu können. Denn Mitteilen lässt es sich heutzutage nicht wirklich, zu eng sind die Mashen der Wissenschaftlichkeit geworden – die über Sieg oder Niederlage der individuellen Ästhetik, die gemeinhin Realität genannt wird, entscheidet. Kein Umweg ist zu weit, kein Berg zu steil, wir müssen es versuchen.

“Vielleicht hält uns genau das davon ab, diese Stadt zu verlassen, wie haben hier doch alles. Das vollkomme Paradies: wenn uns nach Buchweizen gelüstet, brauchen wir nur in den Schrank (von IKEA natürlich) schauen. Alles vorhanden, Überfluss bis zum Erbrechen.”
“Ich nehme mir noch ‘ne halbe Tomate”
“Nimm doch die ganze, bleibt sonst liegen der Mist”
“Gehst Du morgen früh zum Markt?”
“Ja, morgen ist unser Tag, da gibts die guten Crossaints, nicht die Alltäglichen”
“Ich gehe in den Südflügel, nehme noch ein Bad”

Ich stelle fest, die Welt war unfair zu mir, hat mir eine Recordtaste in den Bregen gepflanzt, der mich unfähig macht, solch unwichtige Dinge zu vergessen. Gepriesen sind die, die heute keine Fragen stellen, das Leben in seiner EINHEIT leben können, ohne nach dem warum und wieso zu fragen. Denen die Crossaints noch nicht im Halse stecken bleiben, die die große Hure ERDE noch wie die Jungfrau Maria unbefleckt und -besudelt sehen. Ich kann solchen Gedankengängen nicht folgen, mir schmeckt weder Kaffee noch Milch noch Honig, wegen der Recordfunktion, auch wenn ich mich nicht rechtfertigen muss. Es ist ja eine bewusste Entscheidung. Trotzdem faszinierend, irgendwie glaube ich an mich! Ich weiss zwar nicht wer oder was ich bin…

Noch etwas Klartext, dann kann’s weiter gehen: – zuviel Rücksichtname macht Karmaberg größer – zuwenig auch

Die Vorstellung, in einen Gedankenloop zu treten, wenn zwei Hirne direkt verbunden werden, ohne die Möglichkeit eines Mißverständnisses finde ich interessant. Das würde bedeuten, dass der mögliche Fehler vor einem Kurzschluss bewahrt.

“Kennst Du H.D. Lawrence? War ein Freund von Aldous Huxley”
“Oder von seinem Vater?”
“Nein glaube nicht. Jedenfalls 20er Jahre. Er schreib über Liebe und Konventionen, das ewige Spiel.”
“EIN ewiges Spiel”
“Von mir aus”
“Mir fällt manchmal auf, wie wenig sich offenbar geändert hat, wenn man tief genug bohrt. Einige Dinge scheinen sich nie zu ändern, zum Beispiel DAS alte Spiel.”
“Schön wie du das sagst”
“Idiot”
“Aber ich denke ich habe kapiert”

Habe ich wirklich? Warum gibt es denn Menschen, die statt süss und fettig lieber salzig und fettig essen? Aber kaum jemand mag süss und salzig. Ich erahne schwere Pullizeiten, wir werden uns bis an die Zähne bewaffnen aus dem Arsenal des High Tech und unsere Verdauung umstellen müssen, weil wir nehmen müssen was wir kriegen können. Noch eine von den ewigen Fragen: warum immer die Kriege, ist es genauso Grundbedürfnis wie Liebe, Klatsch und Tratsch? Jedenfalls kann ich eine ähnliche Ausdauer bei diesem Thema erkennen, als wenn jemand Freude am ultimativen Abenteuer haben kann. Was auch immer es ist, möglicherweise die Chakrentherapie für geborene Generäle, olympisches Armdrücken zweier Leviathane – oder Schwanzlängemessen. Je es SIND alte Herren wie jener Admiral auf dem Foto. Persönlich sind es sicher ganz nette Menschen, überzeugt von ihrer Mission, was es für mich schwierig macht, tiefer in deren Psyche einzusteigen, weil mir dieses Gen erfolgreich weggezüchtet wurde (nur wenn es wirklich dringend wird regt es sich noch), aber viel interessanter sind diejenigen, deren Ellenbogen nicht ständig ausgefahren sind. Die generell auch nicht dermassen ehrgeizig sind, dass es gefährlich werden könnte. Stumme Helden wie mich (?), die nur explodieren wenn es angebracht ist, die zwar im Besitz der Menschlichkeit sind, aber diese anderen Wesen nicht aufzwingen.

Dazu passt eine Überschrift: “Die längste Finanzmarktkrise der Nachkriegsgeschichte scheint überhaupt nicht mehr enden zu wollen. Wer nun aber auf eine finale Krise des Weltfinanzsystems hofft, könnte wieder einmal überrascht werden [Link auf TP]” und ich frage mich, wielange eine Finanzmarktkrise dauern muss um ALLE REKORDE zu brechen. Vielleicht nur ein frommer Wunsch, hier aus der sicheren Entfernung einer westdeutschen Großstadt, endlich mal wieder was geboten zu bekommenfür seine GEZ-Gebühren. Brühwarmer 24-Stunden-Takt des ewigen Tag/Nacht Rhytmus, der genau genommen nicht allzuviel Dramatik zu bieten hat. Da muss erst der Mensch kommen um dieser langweiligen Schöpfung etwas auf die Beine zu helfen.

Sie schwebte aus dem Nordflügel herüber, fragte mich was ich so denke und fühle. “Ich habe ein paar neue Sounds aus der Unendlichkeit des NETZ gepflückt [Mala – Digital Mystikz]” antwortete ich auf eine Art, die an Kompliziertheit nicht zu überbieten ist. Noch immer die Landschaft im Kopf, eine hallende Frauenstimme singt die Tonleiter hoch und runter. Mittlerweile ist es drinnen und draussen Nacht. Es sind wenige Sterne zu sehen, der Moloch und seine Lichtverschmutzung ärgert mich ein wenig. Kein Wunder, dass die Menschen langsam durchdrehen, wenn der Himmel nur noch selten zu sehen ist und daher immer härtere Schläge auf den Hinterkopf braucht, um mal wieder zur Besinnung zu kommen. Miller spricht von gefangenen Seelen, zitiert irgendeinen indischen Guru. Menschen, die scheinbar nicht aus ihrem selbstgeknüpften Netz herauswollen, so sehr es sie auch quält. Besser dieser Halt als keiner. Menschen die den Zufall nicht gelten lassen, sondern für die ALLES einer logischen Ordnung folgt. Möglichst ihrer Ordnung, sonst sind sie bei dem nächsten unerwarteten Ereignis aufgeschmissen sind. Zufall passt nicht zu ihren Plänen, nennen den Zufall auch lieber abwertend Chaos.

Mir fiel auf, dass Deutsche wie Gnome sind. Jeder ist emsig bemüht, sich für die Gemeinschaft einzusetzen, sieht seinen Lebenssinn in der Integration und versucht sich für das gemeinschaftliche Ziel einzusetzen. Fragt dabei auch nicht lange, macht einfach mit, leise grunzend, manchmal fluchend. Haben sich nicht verändert, schauen abends vor dem Zubettgehen immer eine Atombombenexplosion in den Nachrichten. Alles weit genug entfernt, doch ein wenig Nervenkitzel ist dabei – DIE Würze für Popcorn und Bier. Es kann nichts passieren, dem alten Kriegervolk, es ist gehärtet durch viele Schlachten und kann sich auf die grosse Gemeinschaft und die Genauigkeit der Sprache verlassen.

Kommentare

Langeweile · 2008-07-04 23:25 von ich

Wann habe ich mich das letzte Mal gelangweilt. Langweile ich mich möglicherweise ständig, so dass ich es nicht mehr wahrnehme? Ist es gut oder schlecht Langeweile nicht mehr zu spüren? “Arbeite” hat mein Vater mir gesagt, wenn mir als Kind langweilig wurde, aber arbeiten war mir immer unangenehm, “ist zu anstrengend” habe ich ihm dann geantwortet und natürlich wusste ich, dass ihn diese Antwort ärgerte. Er knurrte meist, nur wenn er wirklich schlecht gelaunt war machte er sich die Mühe und beschwor eine finstere Zukunft herauf, sollte ich meine Einstellung nicht ändern (“Ihre Einstellung…”). Doch das ist leichter gesagt als getan, wenn man in so einem Teufelkreis drinsteckt. “Alles Scheiße”, habe ich ein paar Jahre später gesagt oder gedacht oder beides, um Vater noch mehr auf die Palme zu bringen oder weil es so schön klang. Im Grunde hat sich seitdem nicht viel geändert, nur dass ich die Langeweile nicht mehr spüre, oder nur sehr sehr selten und sie fühlt sich anders an, denn ich kenne ja den Ausweg, wie ihn Baron Münchhausen vorgemacht hat, als er sich an seinem eigenen Schopf aus dem Sumpf zog. Sich und sein Pferd, ein wahrer Kraftakt zu dem ich mich nur selten in der Lage fühle. Aber ich bin auch kein Baron und lebe in einer Zeit, in der DDT überall ist und sich bestimmt auch auf meine Kräfte ausgewirkt hat, was sich nun wieder voll auf die Vatergeneration und ihren sorglosen Umgang mit allem was der FORTSCHRITT so mit sich brachte, zurückführen liesse. Dieser Zusammenhang war mir damals natürlich noch unbekannt, schade eigentlich, ich hätte gern gewusst was Vater darauf geantwortet hätte, wahrscheinlich “Quatsch nicht, arbeite”. Dass sein protestantisches Blut immer nur die Arbeit als Allheilmittel kannte? Es gibt doch soviel mehr an Tätigkeiten und Untätigkeiten die das Leben ausmachen. Hätte er mich damals zum onanieren aufgefordert, wären wir uns sicher näher gekommen. Oder auch nicht, ich war damals ja auch ein wenig verklemmt. Ich glaube am meisten hätte mir gefallen, wenn er auch dieses Gefühl erwidert hätte, wenn er gesagt hätte: “Oh ja, es ist wirklich langweilig, was machen wir denn bloss mit diesem Gefühl?” und ich hätte ihm dann eine Freude gemacht und gesagt “Lass uns mal was arbeiten”. Aber sicher hat alles einen Sinn, auch dass es nie zu diesem Rollentausch kam und sich mein Trotz immer weiter aufstaute. Ich habe in diesen Augenblicken gelernt, die Phantasielosigkeit dieser Welt zu hassen und fasste den Entschluss mir meine eigene Phantasiewelt zu bauen und wer weiss was sonst aus mir geworden wäre, vielleicht ein fleissig-zuverlässigerer Monteur oder bauwütiger Architekt, der trotz allem materiellem Erfolg unzufrieden ist und nicht weiss warum und sich auch nicht die Frage stellt und meint, das Leben müsste so sein und wenn mir mein imaginärer Sohn bei der Arbeit zusehen würde und mit mir seine Langeweile teilen wollen würde, gäbe ich ihm einen gutgemeinten aber schlecht durchdachten Rat, nämlich zu arbeiten. Und so würde sich die Lösung, die keine ist, auf eine Frage, die eine Antwort war über Generationen weitervererben und in der Unendlichkeit verlieren. Stattdessen sitze ich heute hier und denke über dieses Gefühl nach, was sich im Laufe meines Lebens verliert, offenbar, denn ich erschrak ein wenig und dachte “Ja, mein Gott, mir ist langweilig!” und fühlte mich wieder wie ein kleiner Junge, dem weder Existenzangst noch Broterwerb noch Todesangst im Nacken sass. Ein kleiner Junge, der sich fühlte wie vor der Geburt, aufgehoben im Schoss der Istigkeit … Existenz ohne Angst, Brot ohne Erwerb, Tod ohne Angst. Scheissegal, mir ist langweilig! Die Lösung, so naheliegend und was tue ich in diesem Augenblick? Ich beginne zu schreiben wie ein Affe, dem nichts anderes einfällt als was Papa ihm gesagt hat. Listig, denn auch in mir fliesst protestantisches Blut und ausserhalb meiner kleinen Baumhöhle, in der ich ein paar Bananen für schlechte Zeiten verstaut habe, pulsiert die Großstadt, die sich nicht von Dauerregen, Sturm und Gewitter in die Knie zwingen lässt. Natürlich überträgt sich dieses Brummen der Stadt, dass sogar wahrnehmbar ist, wenn in mir dieses seltene Gefühl hochkriecht und ich spüre die Blicke der Menschen auf der Straße, die mir die Frage stellen, ob ich denn heute auch schön fleissig war, ob ich mein Pensum geschafft habe, mein Anteil an der Krone der Schöpfung. Manchmal schaue ich mich im Spiegel an und frage mich, ob ich etwa unanständig gelangweilt aussehe, auch wenn ich mich gerade nicht so fühle, dann gebe ich mir um so mehr Mühe gestresst zu wirken. Um unterzutauchen im allgegenwärtigen Arbeitswahn. Wieviele Worte muss ich heute noch schreiben, damit ich ein anerkanntes Leben führen darf und diesen Blicken wiederstehen kann. Ich bin eine PERSON du Wichser. Und hinter dieser Maske ist eine weitere und so geht es weiter, Haut für Haut, zwiebelmässige Unendlichkeit. Einen Kern gibt es nicht und wenn, dann habe ich ihn in all den Jahren dieser langweiligen Existenz nicht gefunden. Es wäre auch zu überraschend, wenn das Leben mir urplötzlich unverhofft eine solche Erkenntnis zuteil werden liesse, denn auch die Überraschungen nehmen rein gefühlsmässig im Laufe des Lebens ab. Hat mir DAMALS noch etwas Unerwartetes so etwas wie einen mystischen Schock versetzt, an dem ich einige Stunden zu kauen hatte, ist es heute schon verdaut BEVOR es mich erreicht. Alles schonmal dagewesen. Entsprechend auch meine Erwartungshaltung: während der kleine Junge damals zweimal täglich das Rad neu erfand, kaufe ich heute Räder bei eBay und um mir dies zu ermöglichen, muss ich soviel arbeiten, dass ich ganz vergesse wie sich Langeweile anfühlt. Damit sind alle Probleme der Existenz gelöst: ich kaufe also bin ich und muss nicht mehr nachdenken. Die Eltern hatten recht. Nur manchmal, einen Augenblick nach dem Erwachen aus einem tiefen Traum, wenn ich aus der Geisteswelt in das euklidisch-3dimensionale Koordinatensystem zurückkehre, wünsche ich mir ein wenig mehr. Mehr als mir der Alltag des Peitschenknalls für gewöhnlich geben will. Dann ringe ich, mit mir und meiner Umwelt und meist gewinne ich, weshalb aus mir auch noch kein materiell erfolgreicher Mensch geworden ist, und ich kehre zurück in die Welt der Träume, die, mag sie auch nur eingebildet sein, viel voller und “lebendiger” scheint als die blosse Existenz. Doch, etwas gibt es in der Welt der Träume nicht: das Gefühl der Langeweile und eBay.

Mist, keine Minute vergangen und mir wird schonwieder langweilig. Ich kann noch nicht aufhören, auch wenn es ein schönes Ende wäre. Geschlossener Text um es im Internet zu veröffentlichen, damit ich irgendwann eine anerkannte und allseits respektierte Person bin. Zwar nicht reich, aber Ideenreich. Ideen die begeistern und anderen Menschen gut tun, weil sie so klar formuliert sind und so … was weiss ich. Die Wahrheit ist, dass ich schon nach ein paar Minuten leergeschrieben bin und sich das Gefühl des DANACH nicht vom DAVOR unterscheidet. Schreiben stinkt. Der kleine Junge hatte recht: es ist alles Scheisse. “Nanana!” erhob der grosse Weissbärtige seinen steifen Zeigefinger, mit dem er für gewöhnlich auf Unanständigkeiten hinwies – und sie tadelte, wie die scharfen Blicke der Menschen auf der Straße, die auf der Suche nach Unanständigkeiten immer fündig werden. Wo wäre ich jetzt gerade am liebsten? In einem tiefen Urwald bei 35 Grad und 110prozentiger Luftfeuchtigkeit? Mit meinem Gesicht zwischen den Schenkeln einer – meiner? – Frau? Oder hier, ca. 9m über dem betonierten Boden der Großstadt, auf den der Regen einer ungewöhnlich seltenen Großwetterlage prasselt, auf dem junge und ältere Damen ihre unwilligen Körper für eine Hand voll Steine verkaufen. Ja, eigentlich ist es nicht schlecht hier, garnicht so langweilig wie ich es mir vorstellen könnte, wenn ich zum Beispiel in der Wüste sitzen würde, nur von ein paar Kubikkilometern feinem Sand umgeben. Ich würde bestimmt sofort damit beginnen, den Sandkörnern Namen zu geben und mich mit ihnen unterhalten und ich weiss, dass sie mir antworten würden. Sie würden mir sagen, wie es war, als sie noch ein Teil eines großen Felsen waren, wie sehr sie ihre jetzige Unabhängigkeit schätzen und welche Angst sie vor dem unvermeindlichen Ende haben, was sie und mich mich verbindet, wenn wir alle gemeinsam in einer Supernova wieder zu kosmischem Staub werden und immer weiter – Sekunde für Sekunde – an der EXPANSION des Weltalls teilnehmen. Weder die Sandkörner noch ich würden Hunger oder Langeweile spüren, das denke ich, kann als gesichert gelten. Immer weiter raus, dorthin, wo heute noch nichts ist, oder nichts vorstellbares existiert, die unendliche Leere mit unserer Existenz beglücken und etwas von dieser Unendlichkeit in Endlichkeit umwandeln. Magisch, nicht? Ich lehne mich zurück und geniesse für einen unbegrenzten Augenblick diesen Gedanken. HÖR AUF ZU TIPPEN, DU AFFE! Onaniere lieber, denn “da ist Gold drin” wie mir mein Anwalt vor ein paar Tagen verriet. Es ist das Gold vergangener Sternexplosionen, die irgendwann zwischen der Entstehung des Universums, als der ganze Schaiss noch in einen Stecknadelkopf passte, und heute stattgefunden haben mögen. Doch die Verkäufe auf der Strasse gehen schleppend heute, zu sehr scheint sich der Regen auf das Orgon auszuwirken. Die Wolken am Himmel habe ich heute früh schon einmal gesehen, sie sind jetzt auf dem Rückweg und niemand in diesem Raum kann mir sagen, wo der ganze Regen herkommt, der aus ihnen heraustropft. Wenn ich den Fernseher anschlösse, würde mir sehr wahrscheinlich so ein Besserwisser eine verdammt plausible Idee verkaufen wollen, aber ich habe keine Lust mir meine Langeweile von einem Bild einer Kathodenstrahlröhre verderben zu lassen. Ich habe auch Angst davor mir vorstellen zu müssen, wie andere Wesen meinen wieder etwas dazugelernt zu haben: “Mhhh, ach so IST das” – sie denken in E-Prime und wissen nicht, dass sie nur Zeuge einer Erklärung wurden, die ihnen von der Boss-Realität diktiert wurde. Ein Modell, was vielleicht schon morgen wieder belächelt wird, dann aber, Vielen Dank, werden sich ihre gegrillten Hirne nicht mehr an die heutigen Lehren erinnern. So gloddern wir durchs Universum und halten mal das eine, mal das andere für erkennenswert, bauen mal eine grosse, mal eine kleine Schublade, in die wir unsere Erkenntnis ablegen, die Schublade zumachen und nie wieder öffnen. Ist ja auch ganz in Ordnung soweit, sonst würden wir uns wohl mit den immergleichen Naturkonstanten anöden:
“Hmmm, langweilig”
“Ja, Weltall”

Kommentare

ToDoListe · 2007-11-06 22:07 von ich

- Notizen übertragen, Analog wird Digital – Entspannen – Gliederung gliedern – Notizen übertragen, Hexadezimal – Entspannen – Internet ausschalten – Gehirn raushalten – Entspannen

Kommentare

Previous