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Antichrist vs. Antimusik · Sep 11, 01:06 von ich

Antifrauen, Antinatur, Antifuchs (kann sprechen), Antibaum, Antiwurzelwerk, Antiporno. Ein Feuerwerk des Irrationalen, dessen Hauptding wohl im Gegensatz von Optik und Message liegt. Wenn es denn eine gibt, da muss ich noch ein wenig sacken lassen, verdauen, wiederkäunen und dabei nicht vergessen, ganz cool bleiben, einen Schluck aus der Flasche nehmen wo “Ratio”farm™ draufsteht, alle Messer, Scheren und sonstige Gegenstände aus der Umgebung entfernen. Beim atmen 5-5-5 zählen, nicht 6-6-6. “Chaos reigns” und “Die Natur ist Satans Kirche”, geliefert von der Heimatfilm AG. Immer noch nichts gegen den inneren Terror, gegen wahre Empfindung, wahren Schmerz, jedoch nah dran. Durch eine Art Kulissenhaftigkeit wird der Film überhaupt seh- und machmal sogar geniessbar. Super Slow-Motion und Special Effects erzeugen Distanz, auch zu vergleichbaren Filmen. Eigentlich, dachte ich beim sehen, ist es Blair Wich Project, nur besser. Optisch vor allem, aber nicht nur, manchmal kam mir ein leiser Fluch über die Lippen, weil ich mir den großen Künster vorstellen konnte, wie er beim ausdenken des Gedankenterrors feixte: “Du Arsch”, nicht ohne einen Unterton der Bewunderung. Als Anticineast gebe ich zu, keine Ahnung von Filmen zu haben und die paar Vergleiche, die ich ziehen kann, hinken mit Sicherheit – dazu fällt mir eine Szene im Film ein, denn dort wird auch gehinkt. Willem Dafoe hat damals Vietnam nicht überlebt, findet sich nun wieder im tiefen Wald, diesmal mitten in Deutschland und mit Klotz am Bein. Am Ende landet das liebend Weib entgegen aller politischen Korrektheit auf dem Scheiterhaufen, “How far can you go?”. Mehr Anti ist kaum denkbar, mit der Verstimmelungsszene war bei mir die Grenze erreicht, ich schloss die Augen und fluchte wieder leise vor mich hin… Wahrscheinlich fehlt mir dazu der Zugang, zur Lust am Schmerz, die selten so wunderschön drapiert daherkommt wie der “Bloody Cumshot”. Mehr Anti wäre an dieser Stelle dann doch noch vorstellbar, aber vielleicht gehts ja doch nicht darum, sondern um solche Dinge wie Entfremdung oder Lust, denn beim sehen bekam ich richtig Lust auf den warm-weichen Körper einer wirklich lieben Frau. “Fandest du den Film frauenfeindlich?” “Nein, gerecht” antwortete ich ohne nachzudenken, und tatsächlich, das steckt auch irgendwo dort drin, tief verborgen unter Farnen, Bäumen, Waldboden, viel sattem Grün und ANTIbilischen Motiven. Zum Ende noch ein Vergleich zu Lynchs Therapieversuchen in “Mulholland Drive” und “Inland Empire”, die ich wesentlich rätselhafter fand. Vor allem bei IE hatte ich das Gefühl, völliger Interpretationsfreiheit, jede Deutung war möglich, und vor allem auch gleich “gut”. Ähnlich empfand ich dagegen die Anspannung, Erschöpfung, Schweissausbrüche und finale Erleichterung (nicht Erleuchtung) nach dem Film, so dass ich mich seinerzeit frug: “Warum schau’ ich mir sowas überhaupt an?” und mich mit der Erklärung abfand, dass dem normalen Großstadthirn, welches 99,9% der Zeit im Leerlauf vor sich hin dümpelt, mal etwas zu bieten, Schocktherapie (“Du musst dich deinen Ängsten stellen”) um überhaupt mal geistige Entspannung zu fühlen. Insofern, guter Film!

Danach standen die Sterne günstig und ich rollte in den Hafenklang. Otto von Schirach. Als Antimusiker muss ich gestehen wenig Ahnung von Musik zu haben, aber ich hinkte die Treppe hinauf in die schicke neue Hafenklang Tanzbar, zahlte brav in Erwartung weiterer Schocker. Aber vom Mount Everest aus wirken die 6000er verdammt mickig. Discogabber, wenn Scooter als kleines Kind in einen Topf mit Amphetaminen gefallen wär (und alles ausgetrunken hätt’).

Zum Schluss noch Notizen aus dem Notizbuch, von denen ich nichts mehr wusste: “Antimusik: hat er blaues Blut?”, gemeint ist offenbar Herr von Schirach, an dessem adeliger Abstammung ich meine Zweifel hegte. “Scooter / Deppentechno, Selbstzerfleischung hier&da”, mit Verweis auf das noch frische optische Erlebnis. “Its the end of the world wird gebrüllt, dazu werden überlebensgroße Pappmaché Ghettoblaster durch den Backstage bereich getragen. Auf Gorillaschultern – wie orkinell!” Tolle Show.

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    — ppwxeb    Sep 20, 16:48    #
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    — snijcnqxo    Sep 20, 17:15    #

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