ReiseBlog · Mai 14, 18:55 von ich
Diese Seite ist untot. 8 Länder in 3 Tagen, 10 Personen in den letzten 3 Stunden kennengelernt (oder doch nur “getroffen”?), 6 Liter Wasser in den 50,7 Stunden getrunken, was eigentlich ganz in Ordnung ist, weil es nicht so heiss ist, dass ich mehr trinken müsste. Alles ein bisschen wirr, aber im grünen Bereich, und so nebenbei wurde mir unterwegs klar: Die Zeichen stehen auf “Fortschritt”, überall wird eifrig an ihr gehämmert, alles auf Hochglanz poliert. “Alles Neu macht der Mai” schoss es mir senilerweise beim Spaziergang durch Sevila in den Kopf. Reisegeschichten aus dem Nachbarzimmer lenken mich ab. Sprachen lernen ist ein gutes Gedächtnistraining, englisch ist die Sprache der Rucksackreisenden, sogar in Spanien und sogar die Argentinier müssen Englisch lernen, von denen es einige hier gibt. Die Gespräche bleiben in den meisten Fällen, wen wunderts, an der Oberfläche des Lebens, aber Ausnahmen bestätigen auch diese Regel, wie das nächliche Dachterassengespräch mit einem Türken in Granada, der sich über die Angst der Europäer vor den “unzivilisierten Barbaren” vor Lachen fast in die Hose machte. Das war in Granada, in einer beinahe familiären, recht kleinen Herberge, bei dem mindestens 50 Prozent der Gäste länger als eine Nacht übernachteten. Manche waren jedoch auch dort so in Eile, wie ich es im Moment bin. Die Arbeit ruft, winde ich mich heraus, denn eigentlich ruft sie nicht wirklich, konnte immerhin 2 Monate auf mich warten. Die Geschwindigkeit des Reisens bestimmt die Tiefe der Dialoge und somit auch die Beschäftigung mit der Kultur – und zurück zur Sprache, die ich gerne sprechen würde, ohne die ganze Grammatik auswendig lernen zu müssen. Ich brauche ja nur jemanden, am besten verteilt sich die Last auf mehrere Köpfe, und mehrere Sprachen, auch hier ist Auswahl gross: Arabisch und Französisch werden in Marokko gelernt, Spanisch in Zentral- und Südamerika. Warum nicht Argentinien? Aber wenn ich ehrlich bin, reicht es auch aus, eine einzige Sprache zu “beherrschen”, schliesslich kommt es darauf an, was man damit vor hat. Und Ich will keine Rekorde im unbekannte Menschen kennenlernen brechen, doch komischerweise, ... Pornografische Bilder an den Wänden reissen mich aus meinen Gedanken. Wie soll man denn in so einer Umgebung arbeiten können? Was wollte ich noch schreiben: ach ja, wie interessant zu beobachten: die Reisegespräche, weswegen Alleinreisen so inspirierend sein kann. Immer ein Buch verausgesetzt, hinter dem man sich verstecken kann, oder ein Kopfhörer unter dem man verkriechen kann. Ein Kneipenbummel wird von einer schätzungsweise 20-jährigen Engländerin angepriesen und ich, äh, denke, oder sowas, dass die moderne Art des “koberns” besteht darin, die Brüste hochzudrücken, um dann, egal welcher Text auswendig gelernt wurde, diesen möglichst fehlerfrei in kürzester Zeit über die Lippen zu bringen, damit dem Angesprochenen – in diesem Fall ein Asiate, der gelangweit auf seinem iPhone herumwischt – auf keinen Fall eine Sekunde seiner vermeintlich kostbaren Urlaubszeit gestohlen wird. Jawohl kostbar, und es ist nicht das Geld. Spätestens nach 3 Stunden Grübelei landen die Gespäche bei diesem Thema, offensichtlich gibt es kein anderes Thema als Geld, aber wenn ich die Gedanken schweifen lasse, fallen sie aus dem Fenster, in eine warme Stadt, über der sich ein weiter Himmel spannt, auf dem ausser der Sonne und ein paar Kondensstreifen nur ein paar Wolken dahingleiten(?) Ich beschliesse, noch mal aus dem Haus zu gehen, einen ruhigen Ort an einem Fluss zu suchen, weil die Farben in Flussnähe – oder in den Bergen – immer noch etwas besser rüberkommen. Und vielleicht finde ich deswegen farbige Kleidung in Hamburg albern, aber hier, oder auch in Marokko, konnte ich kaum genug bekommen. Die Erklärung ist theoretisch und praktisch einfach, aber ich habe tätsächlich keine Lust, mir dadurch die Stimmung zu versauen. Dann doch lieber mit der Nachricht, dass der BFM Bad-Banks zulassen will, obwohl er sich vor wenigen Augenblicken dafür verrückt erklärt hat. Und Karlheinz Schädlich hat Günter Grass bespitzelt, wenn der Name noch nicht alles erklärt?!? Bitte keine Rechtfertigungen, hört auf damit! Alles schlimm, aber dann doch wieder nicht so sehr, dass es irgendwie, irgendwem auffallen würde. Das ist alles nur auf die kommunistische Infiltration, die pharmazeutische Konspiration, transpiratorische Situation und das gechlorte Wasser aus dem Guadalquivir zurückzuführen.

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— elkiholda Jun 11, 11:02 #